Unsere Informationsgesellschaft

 
Stellen Sie sich einmal vor Ihnen würde ein großes Verlagshaus gehören, das bundesweit namhafte Blätter herausgibt und das jährlich Millionenbeträge an Geld für großformatige Werbeanzeigen einnimmt. Würden diese Einnahmen wegfallen, könnte der Verlag nicht weiter existieren.
Stellen Sie sich weiterhin vor, ein eifriger junger Redakteur recherchiert zum Thema "Bilderberger-Konferenz" und macht einen Bericht darüber, wer alles von der deutschen Bundesregierung in diesem Jahr bei dieser Geheimkonferenz dabei war.
Der Artikel geht bei der Redaktionskonferenz wegen irgendeines dummen Zufalls durch und erscheint in einer Millionenauflage bundesweit. Millionen Leser bekommen plötzlich mit, daß der Geldadel der Welt mit Politikern aus aller Welt in einem streng abgeschirmten Hotel mitten in Deutschland eine Geheimkonferenz abhält. Das würde viele unangenehme Fragen aufwerfen bei den Lesern. Aber das würde beim Geldadel noch viel unangenehmer aufstossen. Sie fühlten sich verraten, sich und ihre schöne jährliche Geheimkonferenz. Die Folge wäre doch sicher eine empfindliche Sanktion für diesen abtrünnigen Verlag, der sich des Geheimnisverrats schuldig gemacht hat. Ist der Verlag monetär mit den Verratenen verbunden, werden in erster Linie Köpfe rollen. Handelt es sich um ein unabhängiges Verlagshaus - was kaum noch vorkommt - dann werden die lukrativen Anzeigen gestrichen. Und dann ... siehe Eingangs.
Die Folge ist also ganz einfach. Wenn irgendwo ein Thema auftaucht, das im entferntesten mit Kapitalismuskritik zu tun hat, wird sich ganz schnell weggeduckt. Mitarbeiter werden darauf eingeschworen dieses Thema zu meiden, Neulinge die anderer Meinung sind in den Senkel gestellt. Leserbriefe, die sich hin und an zu diesem Thema einfinden landen in der Rundablage.
Und nun stellt sich die Frage nach der Aufgabe unserer Medien in diesem Staatsgefüge. Informieren oder nicht informieren, das ist hier die Frage!
Einen politisch unbequemen Gegner mit Diffamierungskampagnen auf der Titelseite beiseite räumen, ist eine der leichtesten Übungen. Eine Initialzündung zu einer Diskussion um unser Geldgefüge anzustossen praktisch unmöglich, das wäre der wirtschaftliche Selbstmord. Also wird nicht informiert.
Das Sie diesen Text hier lesen können, verdanken Sie dem Internet. In einer Zeitung würden Sie den nie finden.
 
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Die Politik ist die Bühne, auf der die Souffleure manchmal deutlicher zu hören sind als die Akteure.
(unbekannt)